von Paul Siemt:

"Ein Flüchtlingsprojekt… Klingt gut, kann ich auch einen Beitrag zur nicht mehr vorhandenen Willkommenskultur leisten. Kann mich abheben von all denen, die die Menschen in ihren Herkunftsländern lieber verhungern und im Krieg verrotten sehen.
Es ist eine illustre Truppe, die sich da das erste Mal trifft. Junge Männer aus nahen und fernen Ländern und Jugendliche und Frauen und Männer aus dem mir vertrauten Schwarzwald und seiner Umgebung. Alle wollen was Lustiges, etwas das Spaß macht, spielen. Alle wollen die Erinnerung an Fluchtursachen und Flucht, Erniedrigung, Demütigung und Verfolgung überspielen. Okay.
Und dann passiert es doch. Plötzlich ist da ein Boot, das Meer tobt, eine zurückgelassene Familie taucht auf, der Strand von Libyen, ein Rhythmus aus der Heimat...
Und plötzlich entstehen Geschichten, erlebte Geschichten.
Und ich denke mir: Was bin ich doch für ein Ignorant, dass ich mir erlaube, auch nur im Entferntesten zu glauben, ich wisse was Elend ist. Zu glauben, ich wisse, was Gewalt ist.
Das Theaterstück ist gar nicht mehr lustig. Es verursacht Schluckbeschwerden. Wir arbeiten weiter. Szenen entstehen. Nun auch lustige Szenen. Wir reihen alles aneinander. Gedichte tauchen auf. Ein Harlekin wird geboren. Die Musik hilft uns, bindet uns. Ein Theaterstück entsteht. Wir arbeiten daran."

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